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Jahresrückblick 2021

Wow, was für ein Jahr! Nie hätten wir erwartet, dass wir in diesem Jahr so viel erreichen würden. Die Schule wächst und wächst und die Kinder und Lehrer erfreuen sich an einer immer besser werdenden Lernumgebung. Wir konnten das zweite Gebäude soweit fertigstellen, dass wir die vier zusätzlichen Klassenzimmer für den Unterricht nutzen können. Wir haben ein in der Schweiz konstruiertes Dach gebaut, einen Untergrundwassertank mit einer Wasserdruckanlage für fliessendes Wasser installiert, 600kg an Spendengüter nach Kenya transportiert, neues Land gekauft und zwei Schulfeste durchgeführt. Ja, es war wirklich ein ereignisreiches Jahr. Das Highlight habe ich aber noch nicht erwähnt. Im Oktober konnten wir eine Solaranlage auf dem neuen Dach installieren und haben seit dem das erste Mal in der Geschichte unserer Schule Strom! Die Familie Mathys/Hürzeler stürzte sich in ein Familienabenteuer in Kenya und ermöglichte uns dieses Projekt. Eine herzerwärmende Geschichte.

Neues Gebäude

Im Dezember 2020 starteten wir mit dem Fundament des zweiten Gebäudes. Wir entschieden uns die Klassenzimmer grösser zu gestalten, damit wir die Vorgaben des Staates sicher erfüllen. Wir haben zwei Zimmer mit 7.6m x 5.8m und zwei 6.7m x 5.8m. So sollte es genügend Platz für alle Schüler haben und damit eine gute Lernumgebung geschaffen werden. Wichtig war uns vor allem auch die Stabilität. Wir wollten da gegenüber dem ersten Gebäude deutliche Fortschritte machen. Dies bezog sich vor allem auf die korrekte Zement-Wassermischung und einen sauberen Bodenaufbau. Im ersten Gebäude zeigten sich vereinzelt Risse in den Wänden, welche wir dann mit zusätzlichen Kosten reparieren mussten. Da der Boden im ersten Gebäude wirklich nicht zufriedenstellend ist, haben wir da einen sauberen Schichtaufbau mit einem Metallfundament geplant. Das Resultat ist sehr überzeugend, hat aber einiges gekostet. Wir investieren jedoch lieber einen grösseren Betrag in den Bau, als dann ständig Reparaturen vornehmen zu müssen. Auf dem Boden fehlt nun noch der Abschluss mit Steinfliesen.

Die grösste Challenge am ganzen Gebäude war das Dach. Drei Monate dauerte es von der Planung bis zur Fertigstellung. Voller Stolz kann ich aber sagen, dass wir nun ein Schweizer Dach besitzen! Ohne diese stabile Konstruktion hätten wir die Solaranlage nicht montieren können, da sonst Einsturzgefahr geherrscht hätte. Hier ein grosses Danke an unseren Architekten Lukas und unseren Zimmermeister Walther!

Als wir mit dem Boden und dem Dach fertig waren stand der Innenausbau an. Alle Wände mussten schön gepflastert und dann mit weisser Kalkgrundierung angestrichen werden. Da wir aufgrund der Solaranlage und der Hausinstallation etwas unter Zeitdruck standen, arbeiteten an einem Tag gleich 40 Männer an den Zimmern. Weil wir noch keinen Strom hatten, mussten zum Schluss mehrere Mobiltelefonlichter die Wand zum Anstreichen beleuchten. Dabei dürfen wir natürlich nicht die tatkräftige Unterstützung unserer beiden Pflastermeister Sascha und Sebastian vergessen. Schweizerische Pflastertechnik traf also auf die kenyanische und es funktionierte hervorragend! Pünktlich zur Hausinstallation waren die Wände fertig und unser Elektriker Ken konnte alle Kabel ziehen sowie die Steckdosen und Lichtschalter platzieren.

Wassertank

Fliessendes Wasser ist für einen Schulbetrieb essentiell. Wir suchten daher nach einer praktischen Lösung für unsere Schule. Wir entschieden uns einen unterirdischen Wassertank zu bauen, womit wir das Regenwasser sammeln können. Falls der Regen einmal nicht ausreichen sollte, können wir auch einen Lastwagen zur Füllung des Tanks bestellen. In einer zweiten Phase installierten wir eine automatische Pumpe und einen Drucktank. Dieser soll das Wasser auf dem ganzen Gelände verteilen und die zukünftigen sanitären Anlagen sowie die Küche mit Wasser versorgen.

Familienprojekt Mathys/Hürzeler

Unsere ersten freiwilligen Helfer an unserer Schule! Das ganze Projekt begann in der Schweiz mit einem Spendenaufruf im Umfeld, entwickelte sich weiter zu einem Spielzeugwarenflohmarkt in Kestenholz, verteilte sich mit drei TV- Beiträgen auf Tele M1 in der ganzen Schweiz und endete schliesslich mit dem Einsatz an unserer Schule und dem Bau der Solaranlage. Es war also wie ein kleines Märchen. Wir danken an dieser Stelle Pascale, Sascha, Vivienne und Sebastian, ihr seid uns ans Herz gewachsen und habt uns enorm viel gegeben!

In ihrem ganz persönlichen Blog erzählt euch Pascale wie sie und ihre Familie das ganze erlebt haben.
Hier findet ihr den Erfahrungsbericht

Solaranlage, Verkabelung, Licht

Das erste Mal Strom in unserer Schule! Vor einem Jahr für uns alle unvorstellbar und jetzt Tatsache. Das Gefühl, als wir uns gemeinsam mit allen Schülern in einem Klassenzimmer versammelten und ich den Lichtschalter umlegen durfte, war Gänsehaut pur. Ich habe selten so einen Glücksmoment erlebt. Die Planung der Solaranlage gestaltete sich gar nicht so einfach. Matthias leistete die gesamte Planungsarbeit. Er stellte ein Datenblatt mit den benötigten Leistungen der Anlage zusammen und suchte mehrere Anbieter in Kenya aus. Ich kümmerte mich dann mit Lennox um die Kontaktaufnahme und Preisverhandlungen sowie die Anlieferung und Betreuung der Firma vor Ort. Nach Überprüfen der verschiedenen Offerten entschieden wir uns mit Greenlog ltd. zusammen zu arbeiten. Sie boten uns genau die Bauteile an, welche wir wollten und welche auch bei uns in der Schweiz verbaut werden. Im Moment besitzen wir sechs 445W monokristalline Solarpanels, einen 5 kVa hybrid Inverter und eine 4.95kWh Lithiumbatterie. Das Gute am System ist, dass wir es jederzeit ausbauen können.

Der grosse Moment

Schulfest und Schulbesuche

Ein grosses Fest im Januar und ein noch grösseres im Oktober. Wir hatten dieses Jahr wirklich allen Grund zum Feiern! So durften wir im Januar das erste neue Gebäude eröffnen und bei gemeinsamen Essen und Tanzen einfach den Moment geniessen. Im Oktober legten wir dann noch eine Schippe drauf und luden zum grossen Schulfest mit vielen Ehrengästen ein. Wir durften unter anderem unsere guten Freunde vom Matterhorn Childrencenter Beatrice und Andreas, Pascale und ihre Familie, Mama Milly mit Bekannten und Reiseleiterin Nele begrüssen. Zusätzlich waren auch wichtige Mitglieder der Gemeinde und lokale Politiker mit dabei. Unsere Schüler begrüssten unsere Gäste mit traditionellen Tänzen und forderten sie zum Mittanzen auf. Gemeinsam schwangen wir alle die Hüften und genossen den Moment. Nach dem alle Gäste vorgestellt wurden, kamen wir zu den Höhepunkten des Festes: Das Essen, welches von Pascale und ihrer Familie gesponsert wurde und natürlich die mitgebrachten Güterspenden aus der Schweiz. An diesem Tag beschenkten wir vor allem die Eltern und die Geschwister. Unsere Schüler durften sich dann auf den kommenden Montag freuen, wo sie in aller Ruhe ihre Geschenke auslesen konnten. Es waren wirklich alle sehr dankbar und mega glücklich über das gelungene Fest. Spannend war zu sehen, dass fast nur Mütter gekommen waren. Es tauchten nur einzelne Väter auf, was auch zeigte, wer sich meistens um die Kinder kümmert.

Als die Spendenübergabe in vollem Gang war, wurden wir plötzlich von den Jungs von Greenlog überrascht. Eigentlich erwarteten wir nur einen kurzen Besuch des Chefs für die genaue Planung der Solaranlage. Aber zu unserer Freude brachten sie gleich alles Material mit. Von da an wussten wir, dass das Projekt Solaranlage ganz sicher klappen wird.

Neben unserem Schulfest durften wir an einem normalen Schultag ganz liebe Gäste bei uns an der Schule begrüssen. Im Hotel lernten wir Claudia, Regina, Sylvia und Frank kennen. Menschen mit einem unglaublich grossen Herz. Sie wollten sich ebenfalls ein Bild unserer Schule machen und wir organisierten kurzfristig einen gemeinsamen Ausflug. Auf dem Weg kauften sie Schulmaterial und Süssigkeiten für die Kinder. Der Einkauf war sowohl für uns wie auch für die Verkäufer ein grosses Erlebnis, mussten sie doch 150 Bleistifte, Radiergummies und Spitzer von Hand abzählen und in die Kasse eintippen. In der Schule wurden wir dann herzlich empfangen und die Kinder freuten sich sehr über den Besuch. Als Erstes stand ein kleiner Rundgang an, danach gabs Vorführungen der Schüler, weiter gings mit Geschenke verteilen und zum Abschluss gab es ein traditionelles kenyanisches Essen. Vielen herzlichen Dank für euren wunderschönen Besuch und für eure Unterstützung!

Spendentransport

Wir entschieden uns dieses Jahr erneut ein Spendentransport nach Kenya zu organisieren. Dies wird aber vorerst das letzte Mal gewesen sein. Gemeinsam mit Pascale und ihrer Familie sammelten wir ein halbes Jahr lang Kleider, Schuhe, Spielzeug und Schulmaterial. Danach folgte der aufwändigste Teil: Wir mussten alle Kleider und Spielsachen sortieren und einpacken. Viele Dinge konnten wir aufgrund des schlechten Zustandes nicht verwenden. Etliche Leute unterstützten uns bei der Verpackunsgarbeit. Insgesamt sendeten wir 594 Kg nach Kenya. Wir konnten auch dieses Mal wieder auf eine super Zusammenarbeit mit Swisscargo zählen. Vielen Dank an dieser Stelle. Da wir letztes Jahr bereits Erfahrung mit einer Cargofirma am Flughafen in Nairobi sammeln konnten, fühlten wir uns deutlich besser vorbereitet. Wir sollten dann aber eines Besseren belehrt werden. Harrison und ich flogen nach Nairobi um die Güter gemeinsam auslösen zu können. Dies war der erste Flug in seinem Leben! Ein Lastwagen trat den Landweg an und sollte die Güter dann nach Mshomoroni transferieren. Zu Beginn lief alles gut, wir erhielten fünf von sechs benötigten Stempeln des Zolls ohne tief in die Tasche greifen zu müssen. Der letzte Stempel sollte uns aber bis zum Schluss verwehrt bleiben. Die junge Frau mit dem Stempel fand, dass es in Kenya nicht erlaubt sei, gebrauchte Socken und Unterwäsche zu importieren und dass ihre Landsleute dies nicht bräuchten. Nach etlichen Diskussionen und der Frage an sie, wie sich die armen Menschen ihres Landes denn neue Unterwäsche und Socken leisten sollen, packte sie erzürnt ihren Stempel ein und verschwand nachhause. Kein Stempel = keine Güter, so einfach ist die Rechnung. Völlig geschockt standen wir mit verdutzten Gesichtern vor der Lagerhalle und blickten auf unsere nicht erreichbaren Pakete. Da Harrison und ich bereits den Rückflug gebucht hatten, mussten wir die Rückreise wohl oder übel ohne Fracht antreten und in der folgenden Woche erneut nach Nairobi reisen. Doch just vor unserer Abreise konnten die Chefs untereinander einen Deal aushandeln und wir haben die Güter tatsächlich noch erhalten. Natürlich war dieser Deal nicht gratis, aber wir konnten die Spenden sicher nach Mshomoroni transportieren.

Spendenübergabe

Die vielen Geschenke mussten jetzt natürlich auch noch verteilt werden. Wie wir vom Januar her bereits wussten, braucht das immer sehr viel Zeit. So planten wir uns einen ganzen Tag ein, um den Kindern die Geschenke zu übergeben. Als Erstes legten wir alle Schuhe im Klassenzimmer aus. Es waren über 200! Dann durfte jede Klasse vorbeikommen und jedes Kind durfte sich ein passendes Paar Schuhe aussuchen. Danach folgten die Kleidungsstücke. Die Kinder probierten fleissig alles an und freuten sich über neue T-Shirts, Pullover, Hosen, Röcke, Taschen und Hüte! Die strahlenden Kinderaugen zu sehen ist immer ein wahres Highlight. Können wir doch mit so wenig so viel bewirken. Ein grosses Dankeschön an alle Kleider- und Güterspender und all jene, die mit einer Geldspende den Transport überhaupt erst möglich gemacht haben.

Weihnachtsschokolade

In der Weihnachtszeit hatten wir wieder eine Weihnachtsaktion. Zu jeder Spende ab CHF 25 erhielt man eine Tafel feinste Schokolade entweder aus Honduras, Madagascar oder Ecuador. Matthias ist ein leidenschaftlicher Chocolatier. Jede Tafel Schokolade hat er selber von Hand hergestellt und dann an unsere Spender versendet. Wir hoffen, dass es euch geschmeckt hat!

Finanzen

Natürlich gehören in einen Jahresbericht auch die Finanzen. Nach dem wir im ersten Jahr CHF 2’500 im zweiten CHF 8’800 an Spenden einnehmen konnten, durften wir uns dieses Jahr über unglaubliche CHF 60’922.53.- freuen! Vielen herzlichen Dank für die wahnsinnige Unterstützung! Grosse Einnahmen bringen jeweils auch grosse Ausgaben mit sich. In der Tabelle könnt ihr die gesamten Ausgaben des Jahres 2021 sehen.

Bauarbeiten/MaterialKosten
Dach
– Material
– Arbeit
CHF 9’375.-
CHF 6’903.-
CHF 2’472
.-
Provisorische DachCHF 77.45.-
SolaranlageCHF 6’375.65.-
Verkabelung und LichtinstallationCHF 1’761.10.-
Wassertank
– Material
– Arbeit
CHF 2’015.25.-
CHF 645.-
CHF 1’370.25
.-
Vier Klassenzimmer
– Auffüllen und Ebnen der Böden
– Zementieren der Böden mit Metall
– Material und Arbeit Wände
n (+rising walls)
– Pflastern
CHF 13’891.25.-
CHF 1’303.90.-
CHF 4’095.85.-
CHF 6’988.15.-

CHF 1’503.35.-
Landkauf
– Restzahlung 1. Grundstück
– Neukauf 550m2
CHF 4’802.20.-
CHF 572.90.-
CHF 4’229.30.-
Wasserdruckanlage
– Material
– Käfig zum Schutz des Tanks
– Reinigung Wassertank
– Wasserpumpe
CHF 1’346.85.-
CHF 985.65.-
CHF 55.60.-
CHF 102.95.-
CHF 202.65.-
Reparaturarbeiten ToilettenCHF 249.20.-
SpendentransportCHF 2’826.70.-
Schullizenzen und Registrierung
– Arbeitslizenz
– Child care facility

Namenssuche/Registrierung
CHF 301.75.-
CHF 146.25.-
CHF 85.60.-

CHF 69.90.-
Schulbücher 5. KlasseCHF 300.-
FeuerlöscherCHF 94.35.-
Schulpulte und TischeCHF 863.30.-
Gully und AbflusssystemCHF 100.-
Diverse Arbeiten 1. Gebäude
– Pflastern
– Dachrinnen
– Malarbeiten
– Fenster schleifen und lackieren

– Material
CHF 792.25.-
CHF 129.45.-
CHF 394.45.-

CHF 66.75.-
CHF 65.65.-
CHF 135.95.-
Schulfest JanuarCHF 170.-
Decke und Fenstergitter Schulleiterbüro, NachtwächterCHF 348.05.-
Abfallkübel und BesenCHF 90.60.-
PatenschaftenCHF 401.25
TotalCHF 46’182.20.
Finanzen 2021
Nächste Projekte

Wenn ein Jahr endet, beginnt auch ein neues. Auch dieses Jahr haben wir wieder viel vor und befinden uns voll in der Planungsphase der nächsten Projekte. Wir benötigen umbedingt neue sanitäre Anlagen, damit wir auch gute Hygienestandards haben. Auch hier setzen wir auf Nachhaltigkeit. Wir werden dazu einen Biodogestertank bauen, wo sich die Exkremente natürlich zu Wasser abbauen. Weiter wollen wir die zwei letzten provisorischen Klassenzimmer aus Blech durch Steingebäude ersetzen. Dann wollen wir auch eine neue Küche bauen, damit die Köchin nicht mehr am Boden mit Feuer und in ungesunden Verhältnissen kochen muss. Für die Küche ist Katharina zuständig und sie hat für die Finanzierung einen Jahreskalender mit Rezepten von kenyanischen Spezialitäten kreiert und als Weihnachtsgeschenk angeboten.
Ihr seht also, es gibt weiterhin viel zu tun. Für die Realisierung unserer Projekte sind wir natürlich auf finanzielle Hilfe angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende! Vielen Dank, dass ihr uns auf diesem Weg begleitet!

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