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Schulfest

Am 9. Januar feierten wir bei uns in der Schule ein Schulfest. Es war das grösste Fest in unserer Geschichte. Harrison, Grace und ich planten die Feier einige Wochen zuvor. Hintergrund der Feier war die Spendenübergabe, die offizielle Eröffnung des neuen Schulgebäudes wie auch die Vorstellung unseres Projektes und unserer zukünftigen Pläne. Es sollten alle Schüler und ihre Eltern dabei sein. Zuerst wollten wir es an Weihnachten machen, da aber noch alle Kinder und Eltern verreist waren, ging das nicht. So entschieden wir uns das Fest in der ersten Schulwoche zu veranstalten.
Die Kochgruppe traf sich schon um fünf Uhr morgens und begann mit dem Schlachten der Ziege. Dann bereiteten sie den ganzen Morgen das Mittagessen vor. Es gab Pilaureis mit Ziegenfleisch, Bohnen und Tomatensalat. Da wir ca. 150 Leute erwarteten, mussten sie eine ziemlich grosse Portion zubereiten.

Während sie kochten, kümmerten wir uns um die Stühle, Zelte und den Strom. Leider klappte das mit dem Strom nicht so ganz und wir mussten improvisieren. Wir benötigten ca. 100m Kabel, welches wir alle 20m mit Drähten verbinden mussten, um es schliesslich auf der anderen Uferseite in eine Steckdose einstecken konnten (Es war Ebbe, hatte also kein Wasser). Ganz entgegen meinen Erwartungen klappte unsere Bastelei und der Strom war da. So konnten wir immerhin nur mit drei Stunden Verspätung mit dem Fest beginnen. Unser Lehrer Ronald Charo führte die Gäste als Moderator durch die Zeremonie. Wir begannen mit der Vorstellung der Lehrer und des ganzen Teams hinter der Schule. Danach waren die Klassen mit ihren Präsentationen dran. Jede Klasse hat eine kleine Vorstellung eingeübt und sie dann präsentiert. Zum Abschluss der Präsentationen stimmte unsere Schülerin Jumwa Saida noch zum Lied “Mungu” ein.

Alle standen auf, sangen und klatschten kräftig mit. Was ein schöner Moment! Danach übernahm Harrison das Wort. Er erzählte die Geschichte, wie die Schule entstanden ist und wie viele Hürden er und Grace zuerst überwinden mussten, bevor sie die Schule eröffnen konnten. Wie die Leute sie ausgelacht hatten, weil sie nur Blechhütten und wenig Schüler gehabt haben. Wie sie niemand wirklich ernstgenommen und niemand an sie geglaubt hat. Es war wirklich ein steiniger Weg. Nun sieht aber alles anders aus. Wir haben es geschafft etwas aufzubauen! Und darauf können wir stolz sein. Mit diesem Fest feierten wir auch das mittlerweile siebenjährige Bestehen der Schule. Dann bat er noch seine Mutter auf die Bühne und bedankte sich bei ihr, sowie bei allen Müttern, dafür, dass sie immer auf uns Kinder aufpassen und uns den Weg im Leben zeigen. DANKE! Es war eine sehr bewegende Rede. Da wir mit einer grossen Verspätung unterwegs waren, wurde auch das Essen nach hinten verschoben und die Leute hatten langsam Hunger. Wir wollten sie also nicht mehr allzu lange auf die Folter spannen und riefen zum Essen auf. Während dem Essen lief gemütliche afrikanische Musik, alle sassen glücklich zusammen und unterhielten sich miteinander. Als die Kinder fertig waren, versammelten sie sich in der Mitte des Platzes und tanzten alle gemeinsam.

Unsere Kids am Tanzen

Meine Rede

Da ich mich nach meinem Sprachkurs in Zanzibar nun einigermassen auf Kiswahili unterhalten konnte, begann ich meine Rede auf Kiswahili. Ich habe mein Bestes gegeben, aber als es dann zu kompliziert wurde, musste ich auf Englisch wechseln und einen Übersetzer haben. Die Leute freuten sich aber sehr über meine Kiswahili-Sätze!
Mir war es wichtig, den Kindern eine Botschaft zu übermitteln. Ich wollte ihnen klar machen, zu was sie in ihrem Leben im Stande sein können, wenn sie hart arbeiten. In Kenya ist die Korruption und die Unterdrückung des Volkes so gross, dass es eine neue Generation braucht, die sich gegen diese Dinge wehrt und Kenya besser macht. Die Generation, die es besser machen kann, sind unsere Schüler. Und die Bildung ist der Schlüssel dazu. Also wollte ich ihnen genau das übermitteln. Den Eltern erklärte ich, wie unser Projekt funktioniert und wie es finanziert wird. Ihnen soll auch bewusst sein, dass wir mit Geld nicht einfach so um uns werfen und dass auch harte Arbeit dahintersteckt.
Ich war sehr glücklich darüber, auch meinen guten Freund Mike bei der Feier begrüssen zu dürfen. Er kennt mich schon seit ich ein kleiner Junge bin und will uns in Zukunft auch unterstützen.

“Versprecht mir eine Sache. In Kenya haben wir viele Probleme mit unserem korrupten System. Deshalb benötigen wir Menschen, die dagegen ankämpfen und es verändern! Und ihr seit die, die es verändern können!”

Joshua Schmidli

“Falls ihr irgendwann in einer Position seid, um das System zu verändern, bitte tut es. Unsere jetzigen Führer sind selbstsüchtig und denken nur an sich selbst. Falls ihr eines Tages Politiker oder sogar Präsident/Präsidentin dieses Landes seid. Denkt immer an diese Schule hier in Mshomoroni zurück und die Menschen, die alles für euch gegeben haben. Erinnert euch an Grace und Harrison, welche ihr Leben eurer Ausbildung verschrieben haben. Wenn ihr das tut, dann bin ich sicher, dass ihr diese Nation in eine bessere verwandeln werdet!”

Joshua Schmidli
spendenübergabe

Ganz wie an Weihnachten stand nach dem Essen die Geschenkübergabe auf dem Programm. Da wir so viele Kleider hatten und natürlich auch jeder etwas bekommen sollte, war es logistisch nicht ganz so einfach. Wir brachten die Frauen- und Mädchenkleider in ein Zimmer und die Männer- und Jungenkleider in ein anderes. Dann durften zuerst die Kinder vorbeikommen und danach die Eltern. Unsere Lehrer und Harrison kümmerten sich um die Verteilung der Kleider, während ich mit dem Fotografieren beschäftigt war. Wir hatten also alle Hände voll zu tun. Leider wurde uns die Verspätung doch noch zum Verhängnis. Die Dunkelheit brach ein und wir hatten noch nicht alle Geschenke verteilt. So entschieden wir uns den Rest am Montagmorgen in der Schule zu übergeben. Wir schafften es aber, jedem einzelnen ein Kleidungsstück zu geben. Die Leute waren über die Geschenke überglücklich und sehr dankbar. Es war herzerwärmend zu sehen, wie sie sich untereinander die Kleider präsentierten und zusammen lachten. Die meisten zogen die neue Kleidung gleich über ihre alten Sachen an.

Am Montagmorgen versammelten wir uns dann wieder in einem Zimmer und bereiteten die restlichen Kleider und Schuhe vor. Da wir nicht für jede Schülerin und jeden Schüler ein Paar Schuhe hatten, gingen wir von Klasse zu Klasse und pickten diejenigen heraus, welche keine Schuhe hatten. Das Gute war auch, dass wir wirklich Schuhe in jeder Grösse hatten. Insgesamt konnten wir 55 Paar Schuhe verschenken! Danach waren die Kleider an der Reihe und jede Klasse durfte einzeln vorbeikommen. Alle haben fleissig Kleider anprobiert und sie auch untereinander getauscht, falls die Grösse nicht gepasst hat. Wir hatten alle grossen Spass dabei! Am Ende waren alle Kleider und Schuhe von den insgesamt 164,5 kg verteilt und alle waren sehr glücklich. Der Spendentransport hat sich wirklich gelohnt. So konnte ich genügend Geschenke für alle mitbringen. Ich werde definitiv weitere Transporte planen und bin daher immer froh über Güterspenden! An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen bedanken, die uns ihre Kleidung gespendet haben.

Offizielle Eröffnung der Klassenzimmer

Im Rahmen des Festes haben wir auch das neue Schulhaus offiziell eröffnet. Gemeinsam mit den Ehrengästen versammelten wir uns vor dem Eingang und wir erzählten unseren Gästen vom Bau des Gebäudes und unseren zukünftigen Plänen. Mir wurde die Ehre zuteil, die Schnur vor den Klassenzimmern zu durchtrennen und die Eröffnung offiziell zu machen. Wir waren alle überglücklich. Die Ältesten des Dorfes und die Pfarrer gratulierten uns zu unserem Projekt. Wie sich das bei einer Eröffnungszeremonie gehört, gab es noch ein Fotoshooting mit allen Beteiligten vor den Klassenzimmern

Alle Fotos des Festes finden Sie hier!

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